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Jumat, 03 Januari 2014

Modernes Leben

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Vom Genießen und Feiern, vom Reisen und Wohnen – Alltagskultur und Lebensart

Von Constanze Kleis

„Weltoffen und gastfreundlich“ – dieses Prädikat erhielt Deutschland von den Gästen der Fußball Weltmeisterschaft 2006. Laut einer Umfrage von TNS Infratest, die im Auftrag der Deutschen Zentrale für Tourismus realisiert wurde, erhielten Deutschland und die Deutschen durchweg positive Beurteilungen von den Reisenden. Gründe für ein positives Bild gibt es genug. Etwa die Modernität des Landes, seine Aufgeschlossenheit, die Lebensqualität, die multinationale Vielfalt und die Kreativität, mit der Deutschland seine kulturelle Identität gleichzeitig erneuert und bewahrt. In fast allen Lebensbereichen zeigt sich heute eine erfreulich entspannte Leichtigkeit und weltoffene Neugier. 

       Zum Beispiel in der Ernährung. Natürlich gibt es sie noch, die deftigen Regionalküchen, diese herzhaften Erkennungsmerkmale der jeweiligen Landschaften: den Schweinsbraten mit Knödeln aus Bayern oder das Rippchen mit Sauerkraut aus Hessen. Gleichzeitig haben aber viele neue Einflüsse Einzug in die deutsche Küche gehalten. Sie ist vielfältiger und gesundheitsbewusster geworden, leicht und einfallsreich. Als „Koch des Jahres 2008“ kürte der Gault Millau Klaus Erfort, der im „Gästehaus Erfort“ in Saarbrücken am Herd steht. Er brillierte zum Beispiel mit Gänsestopfleber in hauchdünnem, gepfeffertem Ananasmantel. Auch das ist heute typisch deutsche Küche – denn die ähnelt mehr und mehr einem „World-Taste-Center“. Die Deutschen gehören zu den internationalsten Essern in Europa: Laut einer Umfrage des Instituts Allensbach bevorzugen mehr als die Hälfte entsteht hier das nächste Weinwunder? der Deutschen beim Essen im Restaurant die ausländische Küche, vor allem die italienische, chinesische und griechische.
Ein anderer Trend ist das gesunde Essen: 2006 wur den in Deutschland 4,6 Milliarden Euro mit Öko-Lebensmitteln
umgesetzt. Überall in den Großstädten öffnen Bio-Supermärkte, die verbinden, was den Deutschen zunehmend wichtiger wird: Genuss und Verantwortung, Lifestyle und gutes Gewissen. Deutschlandweit gab es Ende 2006 gut 350 Bio Supermärkte – 50 mehr als noch im Vorjahr.
               
Weniger Bier, mehr Wasser
        Bier aus Deutschland ist vom Europäischen Parlament als „traditionelles Lebensmittel“ anerkannt, eine Auszeichnung, die nur sehr wenigen Nahrungsmitteln verliehen wird. Zu verdanken ist sie dem berühmten „Reinheitsgebot“, das nur bestimmte – natürliche – Zutaten erlaubt. So sind Hopfen, Malz, Wasser und Hefe bis heute die Grundlagen aller deutschen Biersorten geblieben. Neben den Großbrauereien haben die kleineren regionalen Traditionsbrauereien einen Stammplatz im Herzen der Biertrinker. Zu ihnen zählen 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland. Sie haben die Auswahl zwischen 5000 verschiedenen Marken, die von 1284 Brauereien produziert werden. Ein Weltrekord. Dennoch geht der Bierkonsum der Deutschen beständig zurück, von 133 Litern im Jahr 1994 auf heute noch knapp 112 Liter pro Person. Dafür hat die Wellness- Bewegung unter anderem einen Mineralwasserboom gebracht: In den letzten 30 Jahren haben die Deutschen den Verbrauch von Mineralwassern verzehnfacht und trinken heute mit 132 Litern pro Kopf und Jahr in der Weltspitzengruppe mit. Aus 223 Brunnen sprudeln mehr als 500 verschiedene Mineralwässer.


Das Riesling-Wunder
     Seit Anfang des neuen Jahrtausends erlebt der deutsche Riesling-Wein eine Renaissance – und das international: Er gehört inzwischen weltweit zu den Standards in vielen Top- Restaurants. Allein die US-Amerikaner haben ihre Riesling- Importe in nur vier Jahren um hundert Prozent gesteigert. Die Begeisterung der internationalen Weinkenner für das „deutsche Weinwunder“ hat sich der Riesling durch seine Leichtigkeit und Spritzigkeit verdient, Eigenschaften, die sich den besonderen Klima- und Bodenverhältnissen verdanken. Denn die deutschen Weinanbaugebiete gehören zu den nördlichsten der Welt. Die lange Vegetationszeit und die geringe Sommerhitze machen die Weine aus Deutschland filigran und nicht zu alkoholreich. Unterschiedliche Bodenarten und Rebsorten wie Müller-Thurgau und Silvaner tragen ihren Teil dazu bei, dass deutsche Weine als bemerkenswert facettenreich gelten.
Ihren Anteil am Erfolg hat aber auch die neue Generation der deutschen Winzer, die in den 13 deutschen Weinanbaugebieten vor allem auf hohe Qualität statt große Erträge setzen. Das klassische Weißweinland Deutschland entdeckt jetzt mehr und mehr den Rotwein. Die Anbaufläche dafür, hauptsächlich für Spätburgunder, hat sich bereits mehr als verdreifacht. Vielleicht entsteht hier das nächste Weinwunder?

Reiseland Deutschland
        Als Reiseland wird Deutschland immer beliebter: Mit fast 55 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste verzeichnete die Deutsche Zentrale für Tourismus 2007 ein bemerkenswertes Plus von drei Prozent gegenüber dem Rekordjahr der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Berlin, München, Frankfurt am Main und Köln sind die beliebtesten Städte bei den internationalen Gästen. Die meisten kommen aus dem europäischen Ausland, aus den USA und Asien. Als Bundesländer punkten bei den ausländischen Reisenden regelmäßig Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden Württemberg.                      Magnete für Deutschlandurlauber sind neben den kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten auch die anspruchsvollen Konzertreihen, Kunstausstellungen und Theateraufführungen oder die großen Sportereignisse auf internationalem Niveau, die Straßenfeste oder stimmungsvollen Weihnachtsmärkte, um nur einige Höhepunkte zu nennen. In Deutschland wird gern und viel gefeiert. Und manche Volksfeste – wie etwa das Oktoberfest in München oder der Christopher Street Day in Köln, der Karneval der Kulturen in Berlin, die Fastnacht in Mainz oder der Karneval in Köln – sind längst international Synonym für gute Laune und eine weltläufige Atmosphäre geworden.
        Während es die Gäste aus dem Ausland überwiegend in die Großstädte zieht, reisen die Deutschen im eigenen Land lieber in kleinere Gemeinden und ländliche Regionen: Bei ihnen gehören die Nord- und Ostseeküste, der Schwarzwald und der Bodensee zu den beliebtesten Ferienzielen. Immerhin verzeichnet Deutschland 14 Nationalparks, 95 Naturparks und 13 Biosphärenreservate. Aber auch als eine Art Open-Air-Fitness-Center gewinnen Küste, Seen, Mittel- und  ochgebirge an Bedeutung. Die Möglichkeiten sind riesig: Allein neun Fernwanderwege mit einer Länge von 9700 Kilometern führen durch Deutschland. Insgesamt streckt sich das Netz markierter Wanderwege über 190000 Kilometer. Auf 50000 Kilometern können Radfahrer über spezielle Fernwege das Land erkunden.

Gut in Form – Mode und Design
Highfashion made in Germany ist ein Begriff auf den internationalen Laufstegen. Zu den „Global Players“ gehören seit Jahrzehnten Escada und Wolfgang Joop, der mit seinem neuen glamourösen Label „Wunderkind Couture“ Erfolge feiert. Die großen Galas und Bälle in Berlin, Frankfurt oder München wirken nicht selten wie eine Leistungsschau der deutschen Modemacher: Man trägt Escada, Unrath & Strano, Talbot Runhof und Anna von Griesheim – die zu den gefragten Designern nicht nur der deutschen Prominenz gehören. Im Alltag setzt man in Deutschland dagegen eher auf Bodenhaftung. Bevorzugt wird neben dem sachlichen Business-Outfit legere Sportswear, etwa von Boss oder Strenesse. Beide Labels sind in Süddeutschland zu Hause, aber längst auch auf dem Weltmarkt ein Begriff. Besonders in den Großstädten findet sich aber auch ausreichend Gelegenheit für das modische Experiment. Hier gibt es eine ganze Reihe kreativer Modedesigner, die mit Witz und Einfallsreichtum den Modemetropolen London und Paris Konkurrenz machen. Die Berlin Fashion Week mit Shows etablierter und junger Designer ist das zentrale Modeereignis in der Hauptstadt. Insider kennen längst die neue deutsche Mode-Avantgarde, zu der Thatchers, Sabotage, Kostas Murkudis oder Eisdieler aus Berlin, aber auch Blutsgeschwister aus Stuttgart, Anja Gockel aus Mainz oder Susanne Bommer aus München gehören. Selbst London, Paris und die Modeszene- Stadt Antwerpen haben junge deutsche Kreateure wie Markus Lupfer, Bernhard Willhelm und Dirk Schönberger erobert. Der berühmteste deutsche Modemacher im Ausland aber ist der in Hamburg geborene Karl Lagerfeld, kreativer Kopf des französischen Couture-Hauses Chanel.

         Deutsches Produktdesign hat das Image, klare und funktionale Produkte zu schaffen. Design made in Germany – von der Bulthaup-Küche bis zum Braun-Rasiergerät – genießt international höchstes Ansehen. Stilbildend sind nach wie vor Unternehmen wie die Möbelhersteller Wilkhahn und Vitra oder Lamy für Schreibgeräte und Erco für Leuchten. Die Traditionen des Bauhauses der zwanziger und der Ulmer Hochschule aus den fünfziger Jahren haben noch ihren Stellenwert, daneben hat sich aber längst eine neue Generation einen Namen gemacht: Zu ihr gehört Konstantin Grcic, Jahrgang 1965, einer der innovativsten jüngeren Designer. Der Münch-ner verleiht ganz banalen Alltagsgegenständen eine ungewohnte Poesie. Auch die Newcomer vom „Studio Vertijet“ aus Halle, Steffen Kroll und Kirsten Hoppert, verbinden spielerische und analytische Elemente des Designs.

Architektur mit Ausdruck
     Die Architekturszene in Deutschland hat viele regionale Zentren, aber seit der Wiedervereinigung sicherlich auch einen Schwerpunkt in Berlin. In der Hauptstadt lässt sich auf engem Raum Weltarchitektur erleben: Ob Lord Norman Foster, der den ehemaligen Reichstag zum neuen deutschen Parlament umbaute, Renzo Piano, Daniel Libeskind, I. M. Pei oder Rem Koolhaas – die Liste der internationalen Architekten, die Berlins neues Gesicht prägen, ist lang. Auch die Elite der deutschen Baumeister wie Helmut Jahn, von Gerkan Marg und Partner, Hans Kollhoff und Josef Paul Kleihues trug ihren Teil zur neuen Hauptstadt bei. In Hamburg und Düsseldorf wird in den alten Häfen mit einer neuen Formensprache experimentiert und in vielen Städten setzen markante Museumsneubauten Zeichen – wie in München die Pinakothek der Moderne von Stephan Braunfels, in Herford das Museum MARTa von Frank O. Gehry, die Langen Foundation von Tadao Ando bei Neuss oder das Museum der bildenden Künste von den Berliner Architekten Hufnagel  Pütz Rafaelian in Leipzig.

sumber : Buch Tatsachen über Deutschland

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